Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch

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Hans Furler

Professor Dr. Hans Furler

Hans Furler

Hans Furler wurde am 5. Juni 1904 in Lahr geboren. Hans Furler studierte Jura in Freiburg, Berlin und Heidelberg. 1953 zog er in den zweiten deutschen Bundestag ein und schied freiwillig 1972 aus. Er starb am 29. Juni 1975 in Achern.

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Hans Furler am 5. Juni 2004 erstellten Lehrkräfte und Schüler eine Festschrift mit Artikeln über Prof. Dr. Hans Furler. In diesem Zusammenhang wurden Leben und Wirken von Hans Furler zum ersten Mal gründlicher wissenschaftlich erforscht, insbesondere auch die Zeit vor dem Einstieg in die Politik. Die Publikation trägt den Titel "Europa - eine Vision wird Wirklichkeit. Hans Furler (1904-1975) und ist über das Sekretariat des Hans-Furler-Gymnasiums erhältlich.

Die Ergebnisse der Forschungen wurden dem Publikum auch in Form einer Ausstellung präsentiert. Diese Ausstellung befindet sich im Besitz der Stadt Oberkirch. Sie wurde zu besonderen Veranstaltungen und Gedenktagen bereits mehrfach gezeigt. Die Plakate können nachstehend betrachtet und heruntergeladen werden.
Im Jubiläusmjahr erschien außerdem in der Acher-Rench-Zeitung eine Artikelserie (siehe nachstehende Beiträge).

Artikelserie ARZ: Ein europäischer Staatsmann von Heinz G. Huber 30.04.2004

Hans Furler

Vor 100 Jahren wurde Hans Furler geboren / 
Ein politischer Lebensweg im Zeichen der Versöhnung

Oberkirch (hgh). Das Jahr 2004 geht in die Annalen der europäischen Geschichte ein: Mit dem 1. Mai wird die Europäische Union um zehn Staaten erweitert. Am 13. Juni finden innerhalb des um 75 Millionen Einwohner vergrößerten Europas die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Wenige Tage davor, am 5. Juni, jährt sich der 100. Geburtstag von Prof. Dr. Hans Furler. Er war es, der bei der Entstehung des Europäischen Parlaments maßgeblich beteiligt war und sich für das Recht der Europäer, ihr Parlament direkt zu wählen, unermüdlich eingesetzt hat. 

Furlers Karriere begann auf dem Nominierungsparteitag der baden-württembergischen CDU für die Bundestagswahl 1953 in Freudenstadt. Der südbadische CDU-Vorsitzende Anton Dichtel schlug den Freiburger Hochschullehrer und Anwalt Prof. Furler für einen eigentlich aussichtslosen Platz auf der Landesliste vor. Da die CDU bundesweit ihren Stimmenanteil von 31 auf 45 Prozent steigern konnte, erhielt Furler ein Bundestagsmandat. Sehr schnell machte sich der Politneuling auf der Bonner Bühne wegen seiner brillanten Eloquenz und seiner exzellenten Sachkenntnisse einen Namen. Als Berichterstatter über die Pariser Verträge lieferte er sich 1955 mit dem Sozialdemokraten Carlo Schmid Duelle auf höchstem Niveau: Sie markierten nach Auffassung vieler Journalisten einen der Höhepunkte der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte der 50erJahre. Furlers bedingungsloses Eintreten für den Ausgleich mit Frankreich und für die westeuropäische Integration empfahlen ihn für eine Mitgliedschaft in der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Er wurde am 1. Juli 1955 als Nachfolger des neuen Außenministers von Brentao Mitglied des so genannten Montanparlaments. Nach der gescheiterten Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft und damit auch einer politischen Union befand sich die europäische Idee in einer Krise. Es bedurfte solcher Persönlichkeiten wie Hans Furler, um die Stagnation zu überwinden.

Furler, der, 1956 als erster Deutscher nur elf Jahre nach Kriegsende zum Präsidenten der Gemeinsamen Versammlung gewählt wurde, formulierte die Römischen Verträge mit, durch welche 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft begründet wurden. Besonderes Verdienst Furlers war es, dass zu gleicher Zeit für die drei Gemeinschaften ein einheitliches Europäisches Parlament geschaffen wurde.
Das Parlament dankte ihm dafür, indem es ihn 1960 als Nachfolger von Robert Schuman in das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments wählte. Ein Amt, das er zwei Jahre lang ausübte. Als Vizepräsident gehörte Furler dem Parlament bis 1973 an. (Seine Verdienste, die er sich dabei erwarb, werden später dargestellt.) Aus dem Bundestag schied der profilierte Europapolitiker 1972 aus, um in dem seit 1957 von ihm vertretenen Wahlkreis Offenburg Wolfgang Schäuble Platz zu machen. Über die Parteigrenzen hinaus wurde die Persönlichkeit Hans Furlers geschätzt und anerkannt. Anlässlich des 60. Geburtstags würdigte der Sozialdemokrat Fritz Erler dessen "reichhaltige Erfahrung", die er in die europäische Politik einbringe. Es verwundert nicht, dass Furler auch für die höchsten nationalen Staatsämter ins Gespräch gebracht wurde. 1964 wurde er in der CDU und FDP als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt.

Widerstand Adenauers
Nicht zuletzt am Widerstand Adenauers scheiterte seine Nominierung. Furler hatte nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Bundestagswahl 1961 den Mut besessen, öffentlich Adenauer zu kritisieren, weil er nach dem Mauerbau nicht sofort nach Berlin geflogen sei, um der Bevölkerung seine Verbundenheit zu zeigen. Außerdem hatte er von Adenauer ein klärendes Wort in der Nachfolgefrage verlangt. Schließlich wurde Furler 1969 als Nachfolger des Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier gehandelt. Welche Achtung sich der Oberkircher Ehrenbürger Hans Furler erworben hatte, bewiesen die zahlreichen Nachrufe, die bei den Beisetzungsfeierlichkeiten am 4. Juli 1975 gehalten wurden. Einer seiner Fraktionskollegen, Prof. Burgbacher, sprach dabei den Satz: "Man wird sich an ihn als einen der Väter Europas erinnern, Vor allem ihm haben wir versprochen, ihn für unsere gegenwärtige und zukünftige Arbeit zum Vorbild zu nehmen".

Schule prägte das Leben Hans Furlers von Katharina Teuscher 08.05.2004

Humanistische Bildung am Lahrer Gymnasium legte Grundstein für politisches Engagement

Die Ereignisse, die einen Menschen für sein weiteres Leben und Wirken nachhaltig prägen, liegen oft in der Kindheit und der Jugend. Für Hans Furler trug neben der Familie die Schule einen entscheidenden Teil in der Entwicklung zu einem weltoffenen und toleranten Menschen bei.

Geboren wurde Hans Furler am 5. Juni 1904 in Lahr. Sein Großvater Leopold Furler war Postschaffner gewesen. Der Vater Emil Furler hatte seine Laufbahn als kaufmännischer Angestellter begonnen und sich über das Amt des Betriebsleiters bis hin zum Prokuristen in der Zigarrenfabrik Gebrüder Meyer, einer Tochterfirma einer Mannheimer Zigarrenfabrik, hinaufgearbeitet. Seine Mutter Luise entstammte der Oberkircher Uhrmacherfamilie Beck. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen zusammen mit der 1908 geborenen Schwester und dem 1911 geborenen Bruder in Lahr auf. Die Erziehung erfolgte nach streng katholischen Grundsätzen. 1910 wurde der sechsjährige Hans eingeschult. Die Lahrer Volksschule war eine Simultanschule, was bedeutet, dass Schüler verschiedener Konfessionen gemeinsam unterrichtet wurden. Durch die alltägliche Konfrontation beim Zusammensein wurde die Toleranz, also das gegenseitige "Geltenlassen" des anderen, geschult. Diese Toleranz wurde zu "einer der Wurzeln der Existenz" von Hans Furler. Neben dem Vermitteln der Grundfertigkeiten wurden die Schüler auch zu verantwortungsbewussten Bürgern erzogen. Schon nach drei Jahren verließ er die Grundschule und wechselte Ostern 1913 auf das humanistische Gymnasium Lahr. Das Scheffel-Gymnasium besuchte Furler bis 1922 und schloss mit einem "sehr gut" bestandenen Abitur ab. Die Zeit als Gymnasiast prägte ihn, nach eigenen Worten, mit am stärksten. Er selbst sprach von den "vielleicht entscheidendsten Jahren seines Lebens".

Seinem Gymnasium blieb er über alle Jahre hindurch freundlich gesonnen und verbunden. So hielt er zum 150. Gründungsjubiläum des Scheffel-Gymnasiums eine Laudatio, in der er die bedeutende Rolle einer guten Schulbildung für die Entwicklung eines jeden hervorhob. Auch brach er eine Lanze für den humanistischen Bildungsweg. Trotz der Vorteile einer modernen, lebenden Sprache plädierte er für das Erlernen der klassischen Sprachen. Allerdings mit dem Zusatz, dass sie im richtigen »Geiste« gelehrt werden. Dann können sie das Verständnis um die Grundlagen unserer Kultur erleichtern. Er fasste es in den Sätzen zusammen: "Diese Sprachen (schulen) durch sich selbst den Geist des Menschen in einer Weise, wie dies außer der Muttersprache keine lebendige Sprache vermag". Er betonte aber auch, dass nicht jeder, der ein humanistisches Gymnasium besucht hat, damit gleichzeitig eine humanistische Bildung besitzt, denn seiner Meinung nach gehört dazu "eine besondere innere Haltung und der Wille zu ständiger und bescheidener Arbeit".

Verbindung zum Elsass
Die Zigarrenindustrie war während Hans Furlers Kindheit ein bedeutender Wirtschaftszweig in Lahr und prägte das gesamte Umland. Wie wichtig und dominierend die Zigarren- und Tabakindustrie war, Ist auch daran erkennbar, dass in den 20er und 30er Jahren die Industrie im Amtsbezirk Lahr mehr als 50 Prozent der Arbeitkräfte beschäftigte. Von der Familie Furler war neben dem Vater zum Beispiel auch noch Hans Furlers Onkel in dieser Sparte tätig, er betrieb ein Tabak- und Zigarrenfachgeschäft in Lahr. Hans Furler wurde aber nicht nur von der Familie und der Schulzeit geprägt, sondern auch von den Erlebnissen des Kriegs. Ab dem Jahr 1918 befand sich die Stadt Lahr wieder im Grenzland. Zuvor bestanden enge Verbindungen zum Elsass. In diesem Zuge hatte der siebenjährige Hans Furler mit seinem Vater 1911 zum ersten Mal Straßburg die Stadt, die später zu seinem politischen Wirkungsort werden sollte, besucht. Aber auch die Verschlechterung der allgemeinen Versorgungssituation und die Einführung von Bezugskarten für Lebensmittel wurden miterlebt. Zu den wohl schlimmsten Erfahrungen gehörten aber die Fliegerangriffe auf Lahr. Wie alle anderen Einwohner auch, hatte er sich daran zu gewöhnen, ab September 1917 dem Ton der Sirene bei Luftangriffen Folge zu leisten.

Hans Furler ist in einer nicht einfachen Zeit und Region aufgewachsen, doch gerade dies prägte ihn. Nach seiner Schulzeit verfolgte er zielstrebig das Jurastudium in Freiburg, was einen weiteren Baustein für seine spätere Karriere als Jurist und Politiker darstellte.

Weltoffen und sehr wissbegierig von Volker Wacker 15.05.2004

Hans Furler als Student und junger Anwalt /
Jurist aus Neigung / Oberkirch wird 1945 neue Heimat

Als Hans Furler 1953 in den Bundestag einzog, konnte er auf eine fast 25 Jahre lange Karriere als Jurist in Pforzheim und Karlsruhe zurückblicken. Den Grundstein für den beruflichen Erfolg bildeten die Studienjahre in Freiburg, Berlin und Heidelberg. Das Abitur in der Tasche, zog es den 17-jährigen Hans Furler nach Freiburg zum Studium der Rechtswissenschaften an die Albert-Ludwigs-Universität. "Mit klopfendem Herzen" schrieb sich der Lahrer Abiturient im April 1922 in das gewaltige Universitätsverzeichnis ein.

Hans Furler war ein fleißiger und ehrgeiziger Student. Immer wieder stellte er sich die Frage: "Werde ich all das, was mir vorschwebt, erreichen?" Die Wahl seines Studienfachs hat er nie bereut. Mit Begeisterung suchte er für komplizierte Rechtsfälle elegante wie einfache Lösungen. Seine Interessen reichten weit über die Grenzen des juristischen Fachs hinaus, umfassten auch Studien der Philosophie und Ökonomie. In seiner freien Zeit stillte er seinen Bildungshunger mit Literatur - auch schöngeistiger - oder dem Besuch von Schauspielen und Konzerten.

Mitglied bei "Teutonia"
Wie für einen Jurastudenten damals üblich, schloss sich Hans Furler einer Verbindung an. Er trat der "Teutonia" bei, gewann dort neue Freunde, musste aber für die Verpflichtungen als Korpsstudent (Kneipenbummel, Fechtstunden, Vorträge) kostbare Studienzeit opfern. Wettmachen wollte er diesen Verlust durch rasches Handeln, richtige Einteilung und zweckmäßige Tätigkeit.

Furler zählte zum freiheitlichen, demokratischen Flügel der »Teutonia«. Beim Stiftungsfest 1930 teilte er in einer Rede nationalistischem Denken eine Absage. Geradezu visionär warb er für die deutsch-französische Annäherung: Nichts hindere den Studenten, die Beziehungen zwischen den großen europäischen Kulturstaaten Deutschland und Frankreich auch unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten, als sie offiziell üblich sind. Im Herbst 1923 unterbrach Hans Furler sein Studium in Freiburg für ein Semester in Berlin. In der Reichshauptstadt erlebte der 19-jährige Badener hautnah die instabilen Verhältnisse der Weimarer Republik. Ruhrkampf, Hitler-Putsch und Inflation stellten im Krisenjahr 1923 die junge Demokratie auf eine Belastungsprobe, die sie nur mit größter Mühe bestand. Als Furler in Berlin ankam, hatte die Inflation Schwindel erregende Ausmaße erreicht. Seinen Eltern schrieb er nach Lahr: »Mein Hausherr hat mir eröffnet, dass er wahrscheinlich gezwungen sein werde, auf eine Goldmark pro Woche aufzuschlagen. Dann kostet mich das Brot ungefähr 20 Milliarden pro Woche, bei einem Dollarstand von 65 Milliarden. Weiterhin benötige ich für meine Straßenbahn usw. 55 Milliarden in der Woche. Alles zusammen ergibt 95 Milliarden pro Woche.

Eindrücke und Erfahrungen des Berliner Semesters erweiterten Furlers politischen und kulturellen Horizont. Mehrfach wohnte er im Reichstag Parlamentsdebatten bei und machte sich so selbst ein Bild von den politischen Auseinandersetzungen der Zeit. Fast täglich nutzte er das reichhaltige Kulturprogramm der Weltstadt. Im Theater in der Königsberger Straße sah er Frank Wedekinds »Erdgeist«, in der Philharmonie hörte er die 3. Sinfonie von Gustav Mahler, die er als »gewaltiges Werk« würdigte. Zurück aus Berlin beendete er sein Jurastudium in Heidelberg als Jahrgangsbester mit dem Ersten Staatsexamen. Es folgten der Vorbereitungsdienst in verschiedenen südbadischen Ämtern, das Zweite Staatsexamen und 1928 im Alter von nur 24 Jahren die Promotion mit "summa cum laude" zum Doktor der Jurisprudenz an der Universität Heidelberg.

Habilitation zu teuer
Gerne hätte Hans Furler nun die ihm angeratene Laufbahn als Universitätsprofessor eingeschlagen. Für eine sofortige Habilitation fehlten aber die finanziellen Mittel. Durch den frühen Tod des Vaters musste Hans Furler für den Unterhalt seiner jüngeren Geschwister mit aufkommen. Er verließ zunächst die Universität und stieg in Pforzheim in die Kanzlei eines Anwalts jüdischer Herkunft ein. Einige Jahre später gründete er eine eigene Praxis. Sie entwickelte sich rasch zur führenden Wirtschaftskanzlei Pforzheims.

Furler war Experte für Handels- und Gewerberecht. Zu seinen Klienten zählten renommierte Pforzheimer Schmuck-, Uhren- und Metallfabrikanten. Etabliert als Anwalt trieb er nun auch seine akademische Karriere voran. Im März 1933 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wurde Privatdozent und 1940 außerplanmäßiger Professor. Im Zweiten Weltkrieg musste Hans Furler seine berufliche und akademische Tätigkeit in Pforzheim und Karlsruhe ruhen lassen. Zwar wurde er aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Wehrmacht eingezogen, hatte aber vom 1. Juli 1941 an im besetzten Straßburg in der Wirtschafts- und Finanzabteilung der deutschen Zivilverwaltung Dienst zu leisten.

Zerstörungen verhindert
Gegen den Willen der Gauleitung setzte er sich dabei wiederholt für die Belange elsässischer Unternehmen ein. Außerdem half er, so weit es ihm möglich war, politisch verfolgten Elsässern. Kurz vor der Befreiung Straßburgs verhinderte er gemeinsam mit Kollegen die Ausführung sinnloser Zerstörungsbefehle. Die letzten Kriegsmonate verbrachte er bei der Wirtschaftskammer Ettlingen und der Industrie- und Handelskammer in Lahr. Nach Pforzheim konnte er nicht zurückkehren. Der verheerende alliierte Luftangriff vom 23. Februar 1945 hatte alle Büroräume zerstört. Oberkirch, die Stadt seiner Frau Gretel, Tochter des Papierfabrikanten August Koehler, wurde Hans Furlers neue Heimat. Seinen Beruf als Anwalt nahm Hans Furler 1948 wieder auf und gründete in Freiburg eine neue Kanzlei. Ein Jahr später kehrte er an die Stätte zurück, wo er einst das von ihm so geliebte juristische Handwerk erlernte, an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Juristische Fakultät ernannte ihn zum außerordentlichen Professor für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht.

Hans Furler war nach eigener Aussage, aus Neigung und mit innerer Anteilnahme Jurist. Auf seinen Fachgebieten gehörte er zu den besten Rechtsgelehrten seiner Zeit. Hoher juristischer Sachverstand, eine breite humanistische Bildung und eine weltoffene Grundhaltung, das waren die bestimmenden Attribute eines erfolgreichen Juristen, aber auch eines großen Europäers.

Die Geburt des EU-Parlaments von Claudia Philipp 22.05.2004

Drei europäische Versammlungen waren geplant / Hans Furler kämpfte für klare Strukturen

Am 1. Juli 1955 wurde Hans Furler Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Diese Gemeinschaft, auch Montanunion genannt, wurde von Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden 1951 gegründet. Sie ging auf eine Idee des französischen Außenministers Robert Schuman vom 9. Mai 1950 zurück. Die EGKS sah einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl sowie die Freizügigkeit der Arbeiter in diesem Bereich vor. Mit dem Vertrag wurde auch ein Parlament von Abgeordneten aus den Gründungsstaaten geschaffen, das "Gemeinsame Versammlung" genannt wurde. Deren Rechte waren allerdings sehr eingeschränkt. Der Deutsche Bundestag wählte Furler zum Mitglied dieses Gremiums als Nachfolger von Heinrich von Brentano, der zum Außenminister ernannt worden war. Furler muss die damals 78 Abgeordneten der Gemeinsamen Versammlung nachhaltig beeindruckt haben, denn sonst hätten sie ihn nicht schon 17 Monate später, am 27. November 1956 in Straßburg, einstimmig zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Wenige Monate zuvor hatten Verhandlungen über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG, auch Euratom genannt) begonnen. Dabei kam der Gedanke auf, jeder der beiden Institutionen ein Parlament zuzuordnen. Somit hätte es mit der Gemeinsamen Versammlung der EGKS, einem EWG- und einem EAG-Parlament drei Vertretungen gegeben. Damit wäre die parlamentarische Kontrolle der drei Gemeinschaften so zersplittert worden, dass sie nicht wirksam hätte wahrgenommen werden können.

Für Furer war schon am Tag seiner Wahl zum Präsidenten der Gemeinsamen Versammlung klar, dass es für die drei Gemeinschaften EGKS, EAG und EWG nur ein einheitliches Parlament geben dürfe. Wörtlich erklärte er in seiner Antrittsrede: "Es kann für Euratom, für die Montanunion und für den Allgemeinen gemeinsamen Markt nur eine einheitliche parlamentarische Institution geben, die aus unserer Gemeinsamen Versammlung hervorgehen muss."

Furler handelt schnell
Im Gegensatz dazu hatten die Außenminister Ende Januar 1957 beschlossen, zur Kontrolle der neuen Gemeinschaften Euratom und Gemeinsamer Markt neue parlamentarische Gremien zu schaffen. Dieser Beschluss war allerdings noch nicht bindend. Furler befand sich gerade auf seinem Antrittsbesuch als neugewählter Präsident der Gemeinsamen Versammlung in Rom, als er davon erfuhr. Noch während seines Besuchs nahm er deshalb Kontakt mit der Beratenden Versammlung des Europarats und der Versammlung der Westeuropäischen Union auf, den beiden anderen europäischen parlamentarischen Gremien, denen er ebenso angehörte. Die drei Präsidenten dieser Organe trafen sich vor der entscheidenden Ministerrats-Konferenz vom 5. Februar 1957 in Brüssel. Furler setzte zunächst im Präsidium der Gemeinsamen Versammlung der EGKS und anschließend bei den beiden anderen Präsidenten seinen Gedanken durch, die Gemeinsame Versammlung mit ihrer materiellen Substanz und mit allen politischen Rechten und Befugnissen in die neue parlamentarische Institution hineinzuführen. Dies musste unmittelbar mit der Entstehung der neuen Versammlung geschehen, damit in keinem Augenblick mehrere parlamentarische Institutionen der Sechs nebeneinander bestünden. Das Ziel war, durch diese Fusion ein einheitliches Parlament zu schaffen, das alle Aufgaben aus den verschiedenen Verträgen wahrnehmen konnte.

Diesen Vorschlag trug Furler als Leiter der Delegation der Präsidenten dem Ministerrat am 4. Februar 1957 in Brüssel vor. Die Argumente Hans Furlers schienen überzeugend gewesen zu sein, denn am darauf folgenden Tag konnte der Oberkircher erleben, dass der deutsche Außenminister von Brentano sich schnell, lebhaft und erfolgreich für seinen Antrag einsetzte. Das Ergebnis der Regierungsverhandlungen war der Abschluss eines besonderen Abkommens über zwei gemeinsame Organe für die drei Europäischen Gemeinschaften: einer parlamentarischen Institution und einem Gerichtshof. Damit war die Grundlage für das heutige Europäische Parlament gelegt.

Parlamentspräsident
Auch bei der Bezeichnung dieser parlamentarischen Vertretung war Furler maßgeblich beteiligt. Auf seinen Antrag erhielt das neue einheitliche Parlament am 21. März 1958 die Bezeichnung "Europäisches Parlament", nachdem die Niederländer in ihrer Sprache "Europees Parlement" benutzen wollten. In einer Entschließung am 30. März 1962 nahm es diese Bezeichnung dann für alle vier damals bestehenden Amtssprachen an. Offiziell wurde die Bezeichnung "Europäisches Parlament" allerdings erst durch die am 1. Juli 1987 in Kraft getretene Einheitliche Europäische Akte in die Verträge aufgenommen.

Die 142 Abgeordneten des einheitlichen Europäischen Parlaments würdigten Furlers Verdienste, indem sie ihn als ersten Deutschen am 28. März 1960 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments wählten. Eine Passage aus seiner Antrittsrede ist bis heute aktuell geblieben: »Es liegt in unserer Verpflichtung, zu verhindern, dass überwuchernde Bürokratien entstehen, die hart und undurchsichtig sind und ein technokratisches Eigenleben führen. Die Verwaltungen dürfen den Bürgern nicht fremd werden. Der europäische Alltag darf die politischen Ideen nicht erdrücken. Die notwendigen Institutionen haben ständig unseren großen Zielen zu dienen. Der Herzschlag der Politik muss unüberhörbar bleiben.

Europas heimliche Hauptstadt von Heinz G. Huber 29.05.2004

Wie Oberkirch dank Parlamentspräsident Hans Furler
zu neuem Glanz kam / Engagement für Afrika

Am 28. März 1960 wurde Hans Furler mit 68 von 112 Stimmen als Nachfolger von Robert Schuman zum Präsident des Europäischen Parlaments gewählt. Da Walter Hallstein Präsident der EWG-Kommission war, standen zwei Deutsche an der Spitze der wichtigsten europäischen Institutionen. Furler machte gleich nach seinem Amtsantritt deutlich, dass er politische Akzente zu setzen gedachte. Das europäische Parlament sollte »europäische Impulse« vermitteln und aktiv die Einigung Europas vorantreiben. Zugleich sollten seine Rechte ausgeweitet werden. Aus der Konsultationsbefugnis sollte ein »Zustimmungsrecht in allen entscheidenden Fragen« werden. An der Berufung der Exekutive und der Ausgabenkontrolle sei das Parlament zu beteiligen. Zudem sollten die Abgeordneten direkt gewählt werden. Für diese Zielvorstellungen warb Furler, als er im Herbst 1960 seine Antrittsbesuche in den sechs EWG-Mitgliedsstaaten absolvierte. In Bonn fand er bei Bundeskanzler Adenauer und Außenminister Schröder für seine Anliegen offene Ohren, ebenso in Italien und den Beneluxländern. Papst Johannes XXIII. bestärkte Furler auf dem europäischen Weg. Wie Furler die Spaltung Europas in Nationalstaaten letztlich zu überwinden gedachte, so wollte der Heilige Vater die Trennung der christlichen Konfessionen überwinden.

Mit einer schwierigen Mission sah sich Furler jedoch bei seinem Besuch in Paris konfrontiert. Staatspräsident Charles de Gaulle empfing Furler am 24. Oktober 1960 zu einem 40 Minuten dauernden Gespräch. Dabei machte er deutlich, dass er keine Kompetenzerweiterung des Parlaments und der Kommission wünsche. Eine Direktwahl des Parlaments lehnte er. Stattdessen wollte er die europäische Zusammenarbeit zwischen den Regierungen verstärken. Europa sollte gegenüber den USA eine eigenständige Politik betreiben.

Engagement für England
In Großbritannien vermutete de Gaulle das "trojanische Pferd" der USA. Deswegen ließ er im Januar 1963 die Beitrittsverhandlungen mit den Briten scheitern. Furler hatte auf einer Reise engagiert für die Mitgliedschaft des Königreichs geworben. Er hatte sich von einem Beitritt des Mutterlandes des Parlamentarismus auch eine Stärkung des Europäischen Parlaments versprochen. Von der französischen Haltung in der Beitrittsfrage war der Oberkircher so tief enttäuscht, dass er im Gaullismus eine Gefahr für Europa sah. Das hinderte ihn nicht daran, den deutsch- französischen Freundschaftsvertrag von 1963 als Schritt zum vereinigten Europa zu begrüßen.

Entscheidende Verdienste erwarb sich Furler im zweiten Jahr seiner Präsidentschaft um den Brückenschlag Europas zu den afrikanischen Staaten. Bei der Gründung der EWG 1957 wurden die überseeischen Gebiete assoziiert, die noch Kolonien der europäischen Mitgliedsstaaten waren. In den Jahren 1959 bis 1962 erlangten viele dieser Territorien ihre Unabhängigkeit. Hans Furler plädierte dafür, zu diesen Staaten auf partnerschaftlicher Ebene Beziehungen zu entwickeln und statt kolonialer Ausbeutung gezielte Entwicklungspolitik zu betreiben. Zu diesem Zweck wurden afrikanisch-europäische Parlamentariertreffen ins Leben gerufen. Nach zwei vorbereitenden Sitzungen fand die erste Zusammenkunft im Juni 1961 in Straßburg statt. Den 112 Abgeordneten des Europäischen Parlaments saß die gleiche Anzahl von Parlamentsvertretern aus den Parlamenten 16 afrikanischer Staaten gegenüber. Als gleichberechtigte Präsidenten fungierten Hans Furler und Lamine Gueye, der Parlamentspräsident aus dem Senegal. Dabei wurden wichtige Entscheidungen für die Aufnahme von Regierungsverhandlungen vorbereitet. Furler und Vertreter des Parlaments besuchten 1962 zweimal Afrika.

Afrikas Fürsprecher
Der deutsche Parlamentspräsident wurde in Europa zum Fürsprecher des schwarzen Kontinents. Nicht zuletzt aufgrund der Vorarbeiten des Parlaments konnten 1963 die Assoziationsverhandlungen mit 18 afrikanischen Staaten erfolgreich abgeschlossen werden. Politische Beziehungen entwickelte Furler immer wieder auf der Grundlage privater Beziehungen. Im Mai 1961 hatte er 16 afrikanische Parlamentarier nach Oberkirch in die Villa Koehler eingeladen, die ein Drittel der Staaten des Kontinents vertraten. Furler verstand diese Einladung als persönliche Vertrauensgeste.

Bereits ein Jahr zuvor war Oberkirch einmal mehr heimliche europäische Hauptstadt. Am 29. Juni 1960 hatte Hans Furler das gesamte Europäische Parlament nach Oberkirch eingeladen. Nie zuvor hatte Oberkirch eine so große Zahl prominenter Politiker aus ganz Europa in seinen Mauern beherbergt, schrieb die Presse. Darunter befand sich Robert Schuman, der an diesem Tag Geburtstag feierte. Der ehemalige französische Außenminister, Ministerpräsident und erste Präsident des Europäischen Parlaments hatte mit der Erklärung vom 9. Mai 1950 die Gründung der Montan-Union und die Grundlegung Europas in die Wege geleitet. Ihn verband mit Furler eine besondere Freundschaft.

Im Parlament geachtet
Zu Ehren des scheidenden Präsidenten Furler tagte das Europäische Parlament im März 1962 zum ersten Mal in Bonn. Nicht nur durch die vorbildliche Leitung der Sitzungen, das enge Verhältnis zu den Fraktionen und den Ausbau der parlamentarischen »Kultur« hatte sich der christdemokratische Politiker die Achtung aller erworben. Unermüdlich hatte er sich für die Rechte des Parlaments und den Weg nach Europa eingesetzt.

Bekenntnis für die Heimat Oberkirch von Volker Wacker 12.06.2004

Weg zum Wahlkandidaten der CDU 1957:
Hans Furler entschied sich gegen Baden-Baden

Die zweite, politische Karriere Hans Furlers begann 1953 mit dem Einzug in den deutschen Bundestag. Ein Jahr nach seinem Beitritt zur CDU gelangte er über die Landesliste ins Bonner Parlament. Vier Jahre später eroberte er mit großem Vorsprung das Direktmandat seines heimatlichen Wahlkreises Offenburg. Gleiches gelang ihm bei den Bundestagswahlen 1961, 1965 und 1969. Im Vorfeld der Wahlen von 1972 verzichtete er zugunsten von Wolfgang Schäuble auf eine erneute Kandidatur.
Als Direktkandidat der CDU im Wahlkreis Offenburg trat Hans Furler 1957 die Nachfolge von Oskar Rümmele an. Rümmele zählte als Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands zum Arbeitnehmerflügel der Union und wurde vor allem von der CDU der Eisenbahnerstadt Offenburg unterstützt.

Für Furler als Nachfolger Rümmeles machten sich im Vorfeld der Wahlen von 1957 der Landesvorsitzende der badischen CDU, Anton Dichtel, aber auch zahlreiche Ortenauer Kreis- und Ortsvereine stark. Sie drängten Rümmele, dem prominenteren Furler freiwillig Platz zu machen. Rümmele schien hierzu zunächst bereit, entschied sich dann aber anders und hielt seine erneute Kandidatur aufrecht. Der Vorsitzende der Offenburger Kreis-CDU, Albertini, hatte ihn gebeten, unter keinen Umständen Furler kampflos das Feld zu räumen. In der Offenburger CDU befürchtete man, Furler würde als Anwalt, Professor und Schwiegersohn eines Fabrikanten die Offenburger Arbeiterschaft weniger gut erreichen und deren soziale und wirtschaftliche Interessen auf Bonner Ebene schlechter vertreten als der ausgewiesene Gewerkschaftler Rümmele.

Ein Mitglied des Offenburger Kreisvorstands brachte diese Bedenken auf die Formel: Wer Rümmele absägt, ist ein Töter der Arbeiterschaft! Als sie von Albertinis Einflussnahme erfuhren, wandten sich führende Vertreter der CDU Ortenau erneut direkt an Rümmele. Mit besonders großem Nachdruck legte Oberkirchs Bürgermeister Erwin Braun diesem einen freiwilligen Verzicht zugunsten Furlers nahe. Oberkirch und das ganze Renchtal, so Erwin Braun, stünden fest hinter Furler. Eine öffentliche Versammlung von 450 Personen habe sich eindeutig für diesen ausgesprochen. Rümmele hatte schließlich ein Einsehen und ließ Erwin Braun und andere wichtige Vertreter der CDU Ortenau wissen, er werde trotz der Offenburger Bedenken gegen Furler von einer Kandidatur absehen und eine »nette Erklärung abgeben.

Abwerbung
Der Weg für die Ernennung Furlers zum Direktkandidaten der CDU im Wahlkreis Ortenau schien frei. Allerdings hatte sich inzwischen ein erneutes Problem ergeben: Furlers Abwanderung in den Wahlkreis Baden-Baden drohte. Die Baden-Badener Union hatte ihre Fühler ausgestreckt und bemühte sich um eine Verpflichtung Furlers. Der Vorsitzende der badischen CDU, Anton Dichtel, war sich bereits sicher und sprach mehrfach davon, dass sich Furler in Baden-Baden zur Wahl stellen werde. Um dies zu verhindern, trat erneut Oberkirchs Bürgermeister Erwin Braun auf den Plan. In einem Brief bat er Hans Furler, auf keinen Fall Baden-Baden zuzusagen und unbedingt in seinem Heimatkreis zu kandidieren. Gleiches tat Oberkirchs Stadtpfarrer Max Ruh. An Hans Furler schrieb er: Ich habe nun die herzliche und dringende Bitte, dass Sie entschieden bei Ihrer Zusage für die Kandidatur im Wahlkreis Offenburg verbleiben. Sie haben vor einigen Tagen von Herrn Bürgermeister Braun entsprechende Gedanken vorgetragen bekommen. Wir haben uns verschiedene Male im gleichen Sinne über Ihre Kandidatur ausgesprochen. (..) (Bis jetzt) durfte der Wahlkreis Offenburg eben noch das hinnehmen, was man sonst wo nicht unterbringen konnte. Diesmal aber bestehen wir mit Nachdruck darauf, dass auch dem Wahlkreis Offenburg der CDU volle Mündigkeit zuerkannt wird.

Als sich die Ortenauer CDU traf, um über ihren Wahlkreiskandidaten zu befinden, forderte Oberkirchs Bürgermeister Erwin Braun seine Parteifreunde auf, sich klar für Furler auszusprechen und so dessen Abwanderung nach Baden-Baden zu verhindern. Erwin Braun schloss mit der Bemerkung "Furler gehört hierher" und machte so noch einmal deutlich, wie sehr er - und mit ihm Oberkirch und das Renchtal Furler als ihren CDU-Kandidaten wünschten. Auch andere Kreisvorsitzende unterstützten Braun. Aus Lahr hieß es, es sei eine Narrheit, wenn Furler woanders kandidiert. Hans Furler wurde von Parteifreunden über die Entwicklungen in der Kandidatenfrage stets auf dem Laufenden gehalten. Er hatte sich noch nicht für Baden-Baden entschieden und stand nun, als er wusste, wie sehr sich die Ortenauer Union ihn als ihren Kandidaten wünschte, gerne zur Verfügung.

Reine Formsache
Seine Wahl zum Direktkandidaten der CDU im Bundestagswahlkreis Offenburg war schließlich reine Formsache. Am 10. März 1957 kürte eine große Delegiertenversammlung mit 147 von 150 Stimmen Hans Furler zu ihrem Bundestagskandidaten. Furler enttäuschte das Vertrauen seiner Parteifreunde nicht. Überlegen gewann er das Direktmandat und erzielte mit fast 58 Prozent auch ein sehr gutes Zweistimmenergebnis. Im Vorfeld der folgenden Bundestagswahlen stand die Kandidatur Furlers nie mehr zur Diskussion. Bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus der aktiven Politik behauptete Hans Furler überlegen seinen heimatlichen Wahlkreis und setzte sich für ihn und das Wohl seiner Bürger immer wieder tatkräftig ein.

Furler rettete die Renchtalbahn von Heinz G. Huber 19.06.2004

Stilllegung der Strecke wurde von Bahndirektion
hartnäckig betrieben / Fürsprache auch aus Straßburg

Am 26. Januar 1966 verkündete die Regierung Erhard das verkehrspolitische Programm für die fünfte Legislaturperiode. Die Bahn sollte sich auf rentable Strecken konzentrieren, kleine Bahnhöfe schließen und 8000 Kilometer Schienennetz in verkehrsarmen ländlichen Gebieten stilllegen. Schon 1964 hatte der Bahnvorstand vorgeschlagen, ein Viertel des insgesamt 30500 Kilometer umfassenden bundesdeutschen Streckennetzes abzubauen. Straßen und Autobahnen hatten Vorrang, immer mehr Güter wurden auf der Straße transportiert. Ein immer größerer Tell der Bevölkerung nutzte die Mobilität des Autos. Entsprechend wurden immer mehr Fernstraßen und Autobahnen gebaut. Im Mai 1960 hatte die Nord-Süd-Autobahn Appenweier erreicht.
Erste Informationen über das bevorstehende Ende der Renchtalbahn tauchten Anfang Februar 1966 in den Zeitungen auf. Selbst im Berliner Tagesspiegel war unter einem Foto der Lautenbacher Wallfahrtskirche zu lesen, dass man im Renchtal bei der Verlagerung des Verkehrs auf die Straße Verkehrsprobleme befürchte. Hans Furler wandte sich sofort nach Bekanntwerden der Pläne an Verkehrsminister Seebohm. Er setzte seine europäischen Verbindungen ein. Der mit ihm befreundete frühere französische Ministerpräsident und damalige Straßburger Oberbürgermeister Pierre Pflimlin wandte sich an Bonn und machte das besondere Interesse Straßburgs an der Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs im Renchtal deutlich.

Breite Widerstandsfront
Inzwischen hatte sich aus Vertretern der Gemeinden, der Wirtschaft, der Gastronomie, der Kurbetriebe und der Landwirtschaft eine breite Widerstandsbewegung im Renchtal formiert. Man fürchtete um die wirtschaftliche Existenz des Tals, falls die Pläne verwirklicht würden. Erneut intervenierte Furler bei Seebohm: Die strukturpolitische Bedeutung, der Bahn müsse Vorrang vor betriebswirtschaftlichen Erwägungen haben. Eine Fehlentscheidung habe nicht mehr wieder gutzumachende Folgen. Die energische politische Intervention hielt die Bahnoberen nicht von ihren Plänen ab. Am 1. März 1967 reichte die Bundesbahndirektion Karlsruhe einen Antrag ein, der die Stilllegung auf Raten vorsah. Der Reiseverkehr sollte ab Mitte 1967 vollständig aufgegeben werden, der Güterverkehr sollte auf dem Abschnitt Oppenau-Griesbach eingestellt werden. Begründet wurden diese Maßnahmen mit einem jährlichen Defizit von 1,14 Millionen Mark.

Furler gelang es, die Landesregierung unter dem mit ihm gut bekannten Ministerpräsidenten Filbinger gegen die Pläne zu mobilisieren. In einer brillanten Eingabe an den Verwaltungsrat nahm Furler die Argumente und vor allem die unsoliden Berechnungen der Bahn auseinander: Die Bahn machte sich im Personenverkehr mit Bussen selbst Konkurrenz. Vor allem die Verkehrssituation im Tal verbot es, den gesamten Schüler- und Pendlerverkehr auf die Straße zu verlagern.

Karlsruher Bürokratie
Nachdem die Karlsruher Bahnbürokraten von der Politik ausgebremst wurden, versuchten sie die Renchtalbahn auf kaltem Wege stillzulegen. Am 7. Juni 1968 schickten sie einen Messzug ins Renchtal. Der Unterbau der Strecke Oppenau-Bad-Peterstal-Griesbach genügte angeblich den Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Die Bahn ließ bekannt geben, dass der Reiseverkehr in Zukunft mit Bussen abgewickelt werde. Der Offenburger Eisenbahngewerkschaftssekretär Rudolf Vallendor rief am gleichen Tag Hans Furler an. Dieser eilte sofort ins Verkehrsministerium zu Georg Leber. Leber war wütend und rüffelte sofort den "Filou", den Chef der Eisenbahndirektion Karlsruhe, Günthert. Dieser hatte ohne Wissen des Ministers gehandelt. Zum großen Arger der Bahnbürokratie ordnete Leber die sofortige Instandsetzung der Strecke an. 550000 Mark wurden in 20 Tagen verbaut, 10 Kilometer Schienen und 7500 Stahlschwellen waren zu erneuern.

Große Empörung
In einem Brief an Leber vom 24. Juni 1968 bedankte sich Furler für die sofortige Intervention, für Ihr sofortiges und entschiedenes Eingreifen gegen die kalte Teilstilllegung. Als einer der hoch bezahlten Karlsruher Bahnräte trotzig äußerte, dass trotz der Investitionen die Einstellung des Bahnbetriebs nicht vom Tisch sei, war die Empörung groß. Erneut musste die Bahn zurückrudern. Im Juli 1969 konnte Hans Furler auf einer CDU-Versammlung in Peterstal verkünden: "Der Kampf um die Renchtalbahn ist gewonnen". Nur sechs Jahre später lagen die Einstellungspläne wieder auf dem Tisch - die Kämpfe mit der Bahnverwaltung musste fortan Furlers Nachfolger Wolfgang Schäuble ausfechten.

Europas Elite zu Gast in Oberkirch von Heinz G. Huber 26.06.2004

Hans Furler holte das Europäische Parlament
ins Renchtal / Tiefe Freundschaft mit Robert Schuman

Am 29. Juni 1960 wurde das Renchtalstädtchen Oberkirch zur großen Bühne europäischer Geschichte. Hans Furler, der am 28. März 1960 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt worden war, hatte sämtliche Abgeordnete und zahlreiche europäische Politiker nach Oberkirch eingeladen. Schon am Nachmittag standen zahlreiche Schaulustige bei der "Oberen Linde" und der "Villa Koehler". Die Polizei geleitete zahlreiche Nobelkarossen aus den sechs Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaften in die Stadt. Gekommen waren der ehemalige italienische Ministerpräsident Scelba und sein Landsmann Piccioni, der ehemalige italienische Außenminister. Ehrengast und prominentester Politiker dieses Tages war aber Robert Schuman, der an diesem Tage seinen 74. Geburtstag feierte.

Robert Schuman war 1958 auch dank Hans Furler erster Präsident des Europäischen Parlaments geworden. Furler war sein Nachfolger. Das gemeinsame Eintreten für die europäische Einheit hatte zu einer persönlichen Freundschaft beider Persönlichkeiten geführt. Als Hans Furler sich als Bundestagsabgeordneter in Bonn seine ersten Meriten in den Debatten um die Pariser Verträge erwarb, lernte er Schuman kennen. Dieser war 1955 Präsident der Europäischen Bewegung geworden. Am 10. Mai 1960 gedachte Hans Furler in seiner Funktion als Parlamentspräsident des zehnten Jahrestags der berühmten Erklärung von Robert Schuman. Dieser hatte am 9. Mai 1950 als Außenminister den Plan zur Gründung der Montan-Union verkündet: Mit ihm sollte nicht nur der Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland überwunden werden, sondern zugleich die europäische Einigung in die Wege geleitet werden.

Hans Furler erinnerte daran, dass Robert Schumans Erklärung zum Ausgangspunkt für die europäische Entwicklung wurde. Mit der Montan-Union begann die Geschichte Europas und seiner Institutionen - auch des europäischen Parlaments. Während die europäischen Parlamentarier in der Atriumshalle der Villa Koehler, der Wohnung Furlers, wandelten, führte Furler mit Schuman und Pierre Pflimlin, dem Straßburger Oberbürgermeister und dem letzten Ministerpräsidenten der IV. Republik, ein Gespräch im Park. Die Sprache war kein Hindernis - die drei Politiker unterhielten sich gleichermaßen in Deutsch und Französisch. Dann ging es in die "Obere Linde". Dort gab es zu Ehren Schumans ein fürstliches Menü mit badischer Erbsensuppe, Forelle blau, Rehbraten und besten Oberkircher Weinen.

Schumans Vermächtnis
Noch einmal kam es zu einer persönlichen Begegnung zwischen Hans Furler und Robert Schuman. Der immer gebrechlicher werdende französische Politiker war in seinem Garten gestürzt - Furler besuchte ihn im Krankenhaus. Der Badener Hans Furler sah seine Aufgabe in der Fortführung des Werks, das der Lothringer Schuman in die Wege geleitet hatte. Man verstand sich, well man leidvolle Erfahrungen mit Kriegen und Grenzen gemacht hatte. Furler notierte sich aus den Reden Schumans handschriftlich einen Satz, den er als Vermächtnis des 1963 verstorbenen Politikers bewahrte: Ziel ist, die europäische Revolution nicht unter Strömen von Blut, sondern als Revolution des Geistes zu verwirklichen. Wer die europäische Vereinigung auf dem Hintergrund des Entwicklungsprozesses der Menschheit sieht, ermisst die Größe der Tat. Am 29. Mai 2004 wurde mit der Übergabe der Dokumentation an Johannes Paul II. durch Vertreter eines Komitees unter dem Trierer Bischof Dammertz der Seligsprechungsprozess Robert Schumans eingeleitet: Der tiefgläubige Katholik hatte sein politisches Handeln immer als gelebte Brüderlichkeit verstanden.

Auf den Spuren von Hans Furler von Isabelle Babak 03.07.2004

Die Oberkircherin Isabelle Babak arbeitet
im Europäischen Parlament / Letzter Teil der ARZ-Serie

Persönlich gekannt haben sich Isabelle Babak und Hans Furler nicht. Als Oberkirchs Ehrenbürger 1975 starb, da war die junge Frau aus Bottenau noch gar nicht mal geboren. Und dennoch verbindet die beiden - den in diesem Jahr 100 Jahre alt gewordenen Furler und die 26-jährige Babak - etwas Fundamentales: das Wirken für Europa. Ich habe Furler und seinen Einsatz für Europa in der siebten oder achten Klasse kennen gelernt, erzählt Babak. Sie war damals Schülerin des Hans-Furler-Gymnasiums (HFG). Ein Ausflug ins Europaparlament nach Straßburg stand an. Ihr damaliger Lehrer machte die Schüler mit einer Kurzbiografie über Furler vertraut, dann kam der Besuch im Parlament selbst. "Als wir durch die Räume geführt wurden und im Plenarsaal standen, ist mir das erste Mal bewusst geworden, was Europa eigentlich ist und was sich da alles bewegen lässt", sagt Babak.

Nicht mehr los gelassen
Der Gedanke hat sie nicht mehr los gelassen. Heute arbeitet Isabelle Babak selbst im Europäischen Parlament. Noch für eine kurze Zeit als Assistentin, oder, wie es offiziell heißt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Stuttgarter SPD-Abgeordneten Rolf Linkohr. Doch dieser hat sich bei den vergangenen Europawahlen nicht mehr aufstellen lassen, so dass Babaks Tätigkeit bald beendet sein wird. "Aber ich werde wohl auf die eine oder andere Weise im Europaparlament weiterarbeiten können", ist Babak zuversichtlich. Vielleicht für einen anderen Abgeordneten, sonst in der Fraktion der europäischen Sozialdemokraten oder der deutschen SPD-Delegation in Brüssel. So hofft sie.

Ob Hans Furler ein Vorbild für sie ist? »Die übermächtige Symbolfigur ist er nicht, schon allein aus dem Grund, weil er ja ein CDU-Politiker war und ich bei den Sozialdemokraten arbeite«, sagt sie lachend. Aber die Gedanken und Vorstellungen, die Furler von Europa hatte, seien für sie schon eine Art Leitbild. Die Offenheit gegenüber anderen Menschen und Nationalitäten, der große Integrationswille, der Einsatz für Frieden und Freiheit.

Jugendbewegung
Nach ihrem ersten Besuch im Europaparlament hatte es nicht lange gedauert, bis Babaks eigenes politisches Engagement begann. Sie trat den Jusos bei, der Jugendbewegung der SPD. Womit sie nicht den einfachsten Weg gewählt hat. "Ich erinnere mich noch an meine Zeit in der Oberstufe, wo wir öfter gerade im Geschichtsunterricht über politische Themen diskutiert haben", erzählt sie. In ihrer Klasse seien mehrere Mitglieder der Jungen Union gewesen, kontrovers diskutieren mit politisch anders Denkenden hat Babak damals schon gelernt.
Wie sie überhaupt sehr positiv über ihre Zeit am HFG spricht. "Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, ob das wirklich am Namen liegt. Aber ich finde schon, dass an der Schule ein gewisser Geist herrscht, der wie ein Vermächtnis von Hans Furlers Gedankenwelt erscheint", so die junge Frau. Sie nennt die Förderung des Fremdsprachenunterrichts, die Schüleraustausche, die bewusst betrieben werden, das offene Klima in der Schule, das Raum für Meinungsäußerungen lässt. Seien sie auch kritisch. Allein schon das Schulwappen, mit dem offenen Kreis der europäischen Sterne, von denen der letzte in die Weite strebt, sei ein Zeichen für den Geist, der am HFG herrsche.

Geist verinnerlicht
Ein Geist, den Babak verinnerlicht zu haben scheint. Eher durch Zufall als von vornherein geplant, verbrachte sie nach dem Abitur ein Jahr in Spanien, bevor sie dann vor allem in London Europawissenschaften studierte. Über Praktika knüpfte sie Kontakte ins Europaparlament. Als ihr Studium sich dem Ende entgegenneigte, bekam sie das Angebot, als Assistentin dort zu beginnen.

Gestaltung der Ideale
Den Kontakt zu ihrer Heimat hat sie nie abgebrochen. "Immer, wenn wir meist einmal im Monat für vier Tage mit dem Europaparlament in Straßburg tagen, komme ich zu meiner Familie nach Bottenau", erzählt sie. Auch in ihrem Elternhaus sieht sie einen Grund dafür, dass sie jetzt mitarbeiten kann an der Gestaltung ihrer Ideale. "Ohne die Weltoffenheit, Unterstützung und Ermutigungen, die ich von meinen Eltern erfahren habe, hätte ich es nie geschafft, mein Leben so zu gestalten, wie ich es bisher konnte", sagt sie. Sehr dankbar sei sie ihren Eltern dafür. Genauso wie für das Wirken des Mannes, der zum Namensgeber ihrer Schule geworden ist: Hans Furler. Dessen Ideen von einem Europa des Friedens und der Einheit durch Isabelle Babak im Europäischen Parlament weiter wirken.

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